Edelmetall-Wochenbericht KW 14/2026: Gold erholt sich, Silber-Drain historisch
Was für eine Woche. Gold hat sich wieder über 4.500 Dollar gekämpft, nachdem der März wirklich brutal war — fast 15 Prozent Minus in einem Monat, das gab es zuletzt 2008. Aber ehrlich gesagt: Wer sich davon hat nervös machen lassen, hat wahrscheinlich die falsche Erwartungshaltung an Edelmetalle.
Gold: 4.556 USD (+2,5 %) · Silber: 74,57 USD (+9,7 %)
Platin: 1.893 USD · Palladium: 1.474 USD
Der Rebound kam am Montag, nachdem Trump signalisiert hat, dass er den Iran-Konflikt beenden will. Die Märkte haben das sofort eingepreist. Ob das hält, ist eine andere Frage — aber der Goldpreis hat jedenfalls direkt reagiert.
Bei Silber wird es richtig interessant
Was mich gerade viel mehr beschäftigt als Gold, ist Silber. Da passieren Dinge, die ich in über 20 Jahren in der Branche so noch nicht gesehen habe.
Seit Januar haben 120 Millionen Unzen physisches Silber die COMEX-Lagerhäuser verlassen. Das ist nicht irgendein Papierkram — das ist echtes Metall, das jemand abgeholt hat. Bei dem Tempo wären die Lager Ende des Jahres leer.
Zwei Sachen treiben das gerade:
Erstens hat China zum Jahreswechsel die Silber-Exporte eingeschränkt. Nicht komplett verboten, aber wer jetzt Silber aus China exportieren will, braucht eine staatliche Lizenz. Und die bekommt nicht jeder. China braucht das Silber selbst — für Solarpanels, Elektroautos, Halbleiter. Die behalten einfach mehr davon im Land.
Zweitens kaufen die großen Technologiekonzerne mittlerweile direkt bei den Minen ein, statt über die Börse zu gehen. Samsung hat sich zum Beispiel die komplette Produktion einer mexikanischen Mine für zwei Jahre gesichert. Das Silber kommt also gar nicht mehr auf den freien Markt.
Ergebnis: Das fünfte Jahr in Folge, in dem mehr Silber verbraucht wird als aus den Minen kommt. Die Lücke für 2026 wird auf knapp 150 Millionen Unzen geschätzt.
Zentralbanken kaufen weiter
Bei den Zentralbanken hat sich das Tempo etwas verlangsamt — im Januar nur 5 Tonnen Gold gekauft, der Durchschnitt lag bei 27 Tonnen pro Monat. Aber was ich interessant finde: Es kommen neue Käufer dazu. Südkorea und Malaysia haben nach Jahren Pause wieder Gold in ihre Reserven aufgenommen. Der Trend weg vom Dollar läuft weiter, nur eben nicht mehr ganz so hektisch wie 2023 und 2024.
Worauf ich nächste Woche schaue
Am Freitag kommen die US-Arbeitsmarktdaten. Wenn die stark ausfallen, könnte die Fed weiter bremsen — das wäre kurzfristig nicht gut für Gold. Und natürlich die Iran-Geschichte: Jede neue Eskalation treibt den Preis sofort hoch, jedes Entspannungssignal drückt ihn.
Bei Silber beobachte ich die COMEX-Lagerdaten wie ein Habicht. Wenn der Abfluss so weitergeht, wird es im Mai beim nächsten großen Kontraktverfall richtig spannend.
Mein Fazit
Der März war ein Stresstest. Wer Edelmetalle als langfristigen Vermögensschutz hält, sollte sich davon nicht verrückt machen lassen. Die Gründe, warum Gold und Silber langfristig gefragt sind, haben sich nicht geändert — Geldmengenausweitung, Zentralbank-Käufe, Industrienachfrage, geopolitische Unsicherheit. Das ist alles noch da.
Wer noch keine Edelmetalle hat und überlegt einzusteigen: Rücksetzer wie dieser sind historisch betrachtet oft gute Zeitpunkte. Aber das ist keine pauschale Empfehlung — das hängt immer von der eigenen Situation ab. Dafür bin ich da.
Mehr erfahren:
Persönliche Markteinschätzung, keine Anlageberatung. Quellen: World Gold Council, Silver Institute, CME Group, LBMA.
Alle Angaben auf dieser Website wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Sie stellen keine Anlageberatung im Sinne des WpHG dar und ersetzen keine individuelle, fachkundige Beratung. Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität wird keine Haftung übernommen. Steuerliche Angaben dienen der allgemeinen Information — bitte konsultiere für deine persönliche Situation einen Steuerberater.
